Donnerstag, 7. März 2013

Ein "Lebens"zeichen

Hallo..

Ich dachte es sei Mal wieder an der Zeit etwas zu schreiben. Schreiben = Verarbeiten, Langeweile tot schlagen, ich weiß es nicht. Aber ich möchte gerne niederschreiben wie es mir momentan so geht. Auch wenn es vermutlich mehr ein Jammertext wird als alles andere. Seit dem 25.02.2013 bekomme ich also nun Chemotherapie. BEACOPP eskaliert heißt das Ganze. Heute befinde ich mich an Tag 11 des insgesamt 21 Tagelangen Zykluses. Von Tag 1-3 war ich in der Klinik und habe Infusionen bekommen, ca. 6 Stunden war ich dafür jedes Mal dort. Dazu gab's bis einschließlich Tag 7 eine ganze Menge Tabletten die ich so über den Tag verteilt schlucken musste, ich weiß gar nicht mehr wie viele, aber doch so viel, dass es ein ganzes Frühstück ersetzt hat. Seit Tag 8, wo ich im Krankenhaus auch wieder Infusionen bekommen habe, brauche ich "nur" noch Antibiotika und Kortison nehmen. Kortison ist blöd. Man kann davon nämlich nicht wirklich schlafen. Ich lieg eigentlich die Ganze Nacht wach und kann, wenn überhaupt, nur Vormittags ein paar Stunden Schlaf bekommen. Antibiotika muss ich nehmen, dass ich nicht krank werde. Momentan befinde ich mich nämlich in absoluter Aplasie. Das heißt, ich habe keine Leukozyten mehr, die Krankheiten abwehren. In meinem Fall habe ich gerade einen Wert von 100. Normal sind 4000. Das Ausmaß davon bemerke ich vor allem im Mund: Dieser ist extrem entzündet, seit Montag. Ich kann nichts essen, weil es so schrecklich weh tut. Auch trinken ist eine richtige Herausforderung. Sprechen ist auch richtig mühsam, man versteht mich eher schlecht weil ich nicht so laut reden kann. Es ist zum Verzweifeln. Ich hoffe, dass meine Blutkörperchen bald wieder schön "nachwachsen" und ich die Erholtage die man von Tag 14-21 vorsieht, auch wirklich mal zur ERHOLUNG nutzen kann. Ich glaub sobald der Mund wieder okay ist, werde ich erst Mal richtig dick essen gehen mit meiner Familie. Am 18.03 geht’s nämlich schon weiter mit Zyklus 2 und der Spaß beginnt von vorn :( Ich weiß, dass alles ist nötig, der einzig mögliche Weg mich zu HEILEN und GESUND zu werden, ich habe gar keine andere Wahl: aber es ist furchtbar! Ich kann nichts machen vor ständiger Angst mich mit irgendwas anzustecken und dann erst Mal ne Woche ab in die Klinik zu müssen zur Antibiose. Das will ich ja auf jeden Fall wie es irgend geht umgehen. Ich lieg eigentlich nur rum und grübele den ganzen Tag. Dazu kommt dann auch die Angst: WAS ist wenn das alles nicht richtig anschlägt? Mein Licht am Ende des Tunnels im Sommer GESUND zu sein, was ist, wenn es erlischt? Ich habe solche Angst. Der Haushalt liegt brach. Ich versuche in ner guten halben Stunde mal den Geschirrspüler auszuräumen oder die Arbeitsflächen abzuwischen (natürlich alles mit Gummihandschuhen), aber die gewaschene Wäsche stapelt sich langsam und gewischt werden müsste auch mal dringend. Momentan ist meine Mama in der Türkei in Urlaub, sie kommt Montag wieder. Sie ist mir die größte Stütze überhaupt. Ich bin so froh sie zu haben und sie zeigt mir, wie wichtig es ist eine Mama zu haben, auch noch mit Mitte 20. Sie ist immer für mich da. Und ich hoffe das ich genau das auch noch lange Zeit für meine Kinder sein kann. Am Dienstag hab ich mir dann auch von der Frisörin aus dem Dorf, die bei meinem Papa zum Haareschneiden war, die Haare abrasieren lassen. Ich wollte jetzt nicht mehr abwarten bis das Ganze von allein anfängt und erst Recht nicht dann in einen Frisörladen rennen und mir dann dort ne Glatze verpassen zu lassen. Also so. Sie hat lange gezögert, mir die Hand gehalten, weil ich vorher ja doch noch geweint habe, aber sie hat das ganz toll gemacht und nun ist das Ganze auch gar nicht mehr so schlimm. Wachsen ja wieder. Ist nur sehr ungewohnt, kalt. Beim Schlafen und auch heute in der Badewanne habe ich gemerkt, wie komisch sich das anfühlt. Aber man gewöhnt sich dran. Perücke habe ich bis jetzt noch gar nicht getragen, habe ein Tuch und das ist ganz bequem. Davon werde ich mir noch ein paar mehr zulegen. Damit hab ich jetzt echt weniger dran zu knabbern als ich erwartet hatte. Aber gut so. Wenn jetzt nur endlich diese ganz fiesen Mund & Halsschmerzen aufhören würden und ich wieder gescheit Essen & sprechen könnte, wäre das auch erst Mal alles halb so wild. Dann wüsste ich jedenfalls das man nach den Dreckstagen kurz nach den Infusionen auch wieder ein paar gute Tage hat. Aber bisher warte ich da echt vergeblich drauf :( Mir tun am meisten die Kinder leid. Ich kann ja nun doch nicht so für sie Sorgen wie ich es möchte. Morgen's macht Daniel sie fertig für die Schule, ich "frühstücke" dann noch mit Ihnen (Essen ist ja nicht) und Nachmittags geht man entweder raus oder so wie heute wo es hier extrem windig ist, einfach mal einen Gammeltag auf dem Sofa. Wie gerne würde ich mal wieder mit Ihnen ins Schwimmbad, in den Indoorspielplatz, oder einfach mal RAUS hier - normal sein. Was würde ich dafür geben. Wie egal alles andere ist. Geld, eine tolle Hütte, den bestaussehendsten Mann haben, den besten Kuchen auf der Schulfeier vorzeigen müssen zu können, dazu am Besten noch Topmodelmaße, unwichtig. Auch für mich waren das mal alles irgendwelche Prioritäten die ich für wichtig angesehen habe. Das ist mir jetzt alles total egal. Ich will nur gesund werden. Gesund SEIN! Das Leben genießen. LEBEN!

Ich freue mich schon auf den Tag, der hoffentlich kommen wird, an dem ich hier Schreiben kann: ich bin fertig! Ich bin geheilt! Keine Chemotherapie mehr, keine Medikamente mehr! Keine Mundentzündung mehr! Keine geschwollenen Lymphknoten mehr! Keine Krebszellen mehr! GESUND! Irgendwann.. in den nächsten Monaten will ich das Schreiben können und ich weiß schon jetzt, dass ich mein Leben und das meiner Familie mit ganz ganz anderen Augen sehen und führen werde.

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