...wird man als "Totkrank" betitelt. Für mich ist das ein Begriff für einen Menschen, der schwer krank ist und der keine Hoffnung mehr auf Heilung hat, weil alle Versuche auf Besserung fehl - bzw. nicht angeschlagen haben. Da denke ich an meinen Onkel, der vor 10 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben ist. Der Krebs ist echt heimtückisch, man bemerkt ihn meist erst wenn's zu spät ist. So auch bei meinem Onkel. Man gab ihm - bei allen guten Wünschen und würde er allen ärztlichen Kram mitmachen, um den Tod zu weit es noch eben geht nach hinten zu schieben - zwei Jahre, gestorben ist er dann nach 2 Monaten nach Diagnose. Sowas nenne ich "totkrank". Ich nenne mich allerhöchstens "schwerkrank", auch wenn ich mich bis auf die echt üble Abgeschlagenheit echt nicht so fühle. Ich habe Krebs, ja! Verdammt das ist kacke und wirft hier echt einiges durcheinander, das ganze Leben hier muss halbwegs neu organisiert werden, nicht nur ich habe an der Diagnose echt zu knabbern, aber ich bin mir sicher, ich bekomm den Mist auch wieder weg, ziemlich sicher. Da trifft es einen schon hart, wenn man andere Leute erst aufklären muss, man seie eben (noch) NICHT totkrank!
Ganz schön arg trifft die ganze Geschichte auch meine große Tochter. Sie wird im Mai 8 und ist ein schlauer Kopf. Sie macht sich ganz doll Gedanken und hat bisher mit mir wenig über die Krankheit gesprochen, obwohl ich ihr kindgerecht erklärt habe was los ist. Ihre übermäßige Nachdenklichkeit wurde dann an der Schule beobachtet und sie hatte ein Gespräch mit der Schulpsychologin, mit der ich danach dann auch telefoniert habe. Sie versucht mich zu schützen, indem sie ihre Fragen die ihr durchaus durch den Kopf schweben nicht an mich stellt, um mich damit nicht zu konfrontieren. Die Psychologin riet mir, sie beim nächsten Krankenhaustermin einfach mal mitzunehmen um ihr zu zeigen was genau passiert. Dies habe ich mit der Onkologie mittlerweile auch abgesprochen und es wird dann auch ein Psychoonkologe vor Ort sein, mit dem wir dann auch noch ein Gespräch führen werden. Traurig ist das. Ich denke mir die ganze Zeit, dass es doch reichen müsste, dass mich die ganze Scheiße kaputt macht. Aber man lernt auch daraus, dass hier der Schlüssel zum Vertrauen eindeutig im Reden liegt. Ehrlich sein, offen antworten, keine Angst einjagen, dass sind meine Devisen und damit liege ich auch richtig. Heute lief auch echt alles sehr entspannt ab bei uns und wie haben viel rumgealbert und gelacht. Beim Zubettgehen habe ich ihr noch gesagt, dass sie keine Angst haben braucht und wenn sie Fragen hat damit gerne zu mir kommen kann. Da hat man Ihr ihre Erleichterung richtig angesehen. Meine große Maus ist echt ein tolles Kind, ich bin so stolz auf Sie und ich hoffe inständig, dass diese Geschichte nicht nur negative Aspekte wie Angst und Ungewissheit mit sich bringt, sondern auch ganz viel Familienzusammenhalt und Vertrauen ineinander - denn eine heile Welt vorspielen wo keine ist, ist für mich nicht der richtige Weg - und mein Kind auch viel zu schlau, DAS zu durchschauen - und schon hat man den Vertrauensbruch schlechthin.
So.. das war's erst Mal. Jetzt gönne ich mir eine schöne Pizza vom Dönermann, bevor die Chemo meine Mundschleimhaut wegghaut und ich solche Sachen erst Mal nicht mehr essen kann ;)
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